GEROLD MILLER, Instant Vision 164, 2021  © Gerold Miller  Fotocredit: Neues Museum (Annette Kradisch)

Wie wollen wir leben?

In ihrer neuen Skulpturenserie beschäftigt sich Lena Henke mit der Geschichte des Hansaviertels in Berlin, einem Nachkriegsviertel mit modernistischen Sozialwohnungen. Es wurde 1957 anlässlich der Internationalen Bauausstellung (Interbau) von Architekturgrößen wie Oscar Niemeyer, Walter Gropius, Le Corbusier und anderen errichtet.

Das moderne und funktionale Design der Architektur wurde durch die Ausstattung der Wohnungen unterstrichen, so wurde ein Großteil der Küchen mit Geräten der Firma Braun bestückt. Bei ihrer Recherche bemerkte Lena Henke, dass sowohl an der Planung der neuen Wohnungen des Viertels, als auch am Design der Braungeräte, ausschließlich Männer beteiligt waren. Während der Raum, für den die Geräte entworfen wurden, die Küche, ausschließlich der Frau zugeteilt war. Dieses Machtverhältnis thematisiert Lena Henke in ihren um das 1,5-fache vergrößerten Küchengeräten, die in 3-D Drucktechnik entstanden sind. Die Oberfläche ließ sie unbearbeitet, sodass durch kleine Imperfektionen eine biomorphe Oberfläche entstand. Durch diese kleinen Eingriffe unterstreicht Lena Henke die Autonomie der Objekte und gibt der Haushaltsarbeit die Präsenz und den Respekt, die ihr gebühren. Insgesamt sind vier Braun-Küchengeräte entstanden: Eine Küchenmaschine, ein Mixer, die Kaffeemaschine Aromaster und eben die Zitruspresse,  „The mind is like an umbrella. It’s most useful when open“, so der Titel des Werkes, welches sich in der Sammlung Stadler befindet.

Bis 19. Dezember war die Zitruspresse  in der Ausstellung "Food for thought" im "Speiseraum" in München zu sehen. Die Ausstellung beschäftigte sich mit den Schnittstellen von Kunst und Essen und warf dabei Fragen des sozialen Miteinanders auf. Neben bekannten Künstlern wie Joseph Beuys und Daniel Spoerri, war auch junge Kunst in der Ausstellung vertreten. Aus der Sammlung Stadler war neben dem Werk von Lena Henke, auch die Arbeit "Lauch (kitchen pieces)" von Karin Sander in der Ausstellung zu sehen.

Mehr über das Hansaviertel und die Braun-Küchengeräte von Lena Henke erfahren Sie hier.

Auch die Welt am Sonntag widmete der Skulpturenserie einen Artikel

I Don't Love Berlin, Crazy City, ...

... ist Comic, Bildatlas, Fotoarchiv und Anti-Reiseführer für Berlin zugleich und imaginiert die Gegenwart und Zukunft des Hansaviertels.

Die Publikation erschien anlässlich der Ausstellung Lena Henke: Auf dem Asphalt botanisieren gehen in der Edition Klosterfelde in Berlin, 30. April - 30. Juni 2022, bei der Buchhandlung Walther König.

Herausgeberin: Lena Henke

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